• Gabrielle

Kosten einer veganen Torte - das Problem der Rentabilität

Vor Kurzem habe ich bei Instagram eine Umfrage zu Tortenpreisen von Mansfield Park gemacht. Denn wenn auch nur ein Mal im Jahr eine Beschwerde diesbezüglich kommt, so beschäftigt mich das trotzdem. Im letzten Fall wurde die Torte als zu teuer für die geringe Größe empfunden. Weil mich das gewurmt hat, habe ich meinen "Followern" die Details meiner kleinsten Torte dargelegt und einfach mal gefragt, ob das andere auch so wahrnehmen. Mehr als 90 Prozent fanden meine Preise gerechtfertigt. Und das von Menschen, die diese schon (mehrfach) bezahlt haben. Da aber doch ein paar Personen meinten, dass größer und billiger besser wäre, wird jetzt alles aufgedröselt, der Transparenz halber:


Eine Torte kostet mich in der Herstellung zwischen 8,00 und 10,00€. Der teuerste Posten dabei sind die Zutaten. Mansfield Park gibt sehr viel Geld für hochwertige Zutaten aus. Das sagt mir mein Steuerprogramm jeden Monat. Die Gewinnmarge ist sehr flach. Das liegt daran, dass gute und vegane Zutaten hochpreisig sind. Kakao und Schokolade sind bio und fair hergestellt, was bedeutet, dass sie doppelt so teuer sind als die herkömmlich produzierten. Großmengen wie 25 kg, die dann entsprechend billiger wären, kann ich nicht lagern und innerhalb des Mindesthaltbarkeitsdatums verarbeiten, was schrecklich ist, da ich gerne weniger Verpackung verursachen und auch Geld sparen möchte. Aber Mansfield Park ist zu klein. Deshalb nehme ich teurere Preise in Kauf, auch weil ich die Produzenten von Kakao, Kokosöl und Vanille unterstützen und nicht durch billige Endpreise zu deren Ausbeutung beitragen möchte. Schokolade und Vanille bestelle ich - neben den Tortenkartons - zudem aus Großbritannien. Da kommen teure Transportkosten und Zoll obendrauf. Aber die Vanillepaste, die ist es wert! Ein Liter davon kostet mich 120,00€. Weil der Hersteller auf Preisschwankungen, hervorgerufen durch schlechte Ernten oder miese Spekulationen auf dem Weltmarkt, nicht eingeht und den Vanillebauern einen konstant angemessenen Preis bezahlt. Vanilleschoten sind pflanzengewordenes Gold und das kostet eben.

Zurück zu den Zutaten. Die sind alle vegan, nämlich Sojamilch, Sojajoghurt und Mandelbasierter Frischkäse. Die pflanzlichen Alternativen sind im Durchschnitt plus 80-100% teurer als tierische Produkte. Das ist dann eben so. Dafür sind sie oftmals bio und in (Festland-)Europa produziert. Denn diesen falschen Mythos können wir ein für alle mal aus dem Weg räumen - die Sojabohnen für die Sojamilch stammen aus Frankreich und Österreich, nicht aus Brasilien.

Die Materialkosten einer Torte entstehen auch durch deren Aufbau. Die kleinste semi-naked Torte hat einen Durchmesser von 13 cm und benötigt 300 g No-Butter Cream. Wie schon im vorherigen Post angedeutet, brauche ich alleine eine Stunde reine Arbeitszeit um diese herzustellen. Dann werden vier Schichten Kuchen und drei Schichten Füllung gestapelt. Die Füllungen sind nicht hauchdünn darauf gestrichen, da es nicht nur um den günstigeren Kuchen geht, sondern um die luftigen, fruchtigen, abwechslungsreichen Füllungen, die den Kuchen komplimentieren sollen. Schließlich hat Deutschland eine ausgeprägte Tortenkultur, mit viel unterschiedlichen Cremes, was mich überhaupt erst zum Herstellen von Torten inspiriert hat. Also kommt zwischen die Kuchenschichten je ca. 100 g Füllung. So findet Beerenkompott zu Joghurtsahne, Karamell oder Zartbitter Ganache zu Cream Cheese Mousse und Pistazienmousse zu angedicktem Himbeerpüree. Das Resultat ist eine Torte aus vier Komponenten, die eine stattliche und moderne Höhe von etwa 13 cm hat. Das Ganze wird präsentiert auf einem stabilen Cakeboard - wobei ich darauf achte, nichts zu kaufen was individuell oder in kleinen Mengen verpackt ist, um unnötigen Müll zu vermeiden, weshalb auch hier große Mengen auf einmal im Ausland bestellt werden. Eingepackt wird die Torte dann in einer Kartonbox und drum herum kommt eine Schleife aus Baumwolle oder naturbelassenem Leinenband.


Wenn ich also mit 10,00€ Materialkosten davon komme, habe ich immer noch nicht meine Fixkosten oder gar mich selbst bezahlt. Ich stelle jede Torte penibel Detailverliebt ausschließlich auf individuelle Bestellung her, es handelt sich nicht um Massenware aus der Großbäckerei und ich mache alles selbst. Auch die Lieferungen. Ich zahle mir ein Gehalt von 300 bis 500€ im Monat, der Rest fließt in das Unternehmen. Damit es weiterhin wachsen und ich hochwertige Torten produzieren kann.



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